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Hypermenorrhoe – wenn die Menstruation stärker ist

Eine Frau verliert während der Periode etwa eine halbe Tasse Blut“.

Es ist irgendwann in den 1990er Jahren und ich lese diesen Satz in einer Zeitschrift. Sofort überkommen mich Zweifel: Wirklich nur so wenig? Kann das überhaupt sein? Mir kommt das bei meiner Menstruation so viel mehr vor – aber was weiß ich schon, kann sein, dass ich mich täusche.

Es muss um 2014 herum sein, als ich mich in einem Online-Forum mit anderen Betroffenen austausche und merke: Ja, ich habe eine viel stärkere Periode als die durchschnittliche menstruierende Person. Andere erzählen, dass sie mit einer Handvoll Tampons über ihre Periode kommen und dazu maximal noch ein paar Slipeinlagen verwenden. Bei mir dagegen laufen sogar Super-Tampons nach kürzester Zeit aus.

In dieser Phase meines Lebens entdecke ich Menstruationstassen für mich und merke: Auch eine der größten Tassen auf dem Markt (sie fasst etwa 30ml) hält bei mir an den starken Tagen maximal zwei oder drei Stunden. Im Laufe einer Periode komme ich locker auf 200 bis 250ml Blutverlust, somit bewege ich mich im Bereich der so genannten Hypermenorrhoe (überstarke Regelblutung).

Definition einer überstarken Regelblutung

Je nach Quelle finden sich als Schwellenwert 80 bis 150 ml Blutverlust pro Periode, um eine Hypermenorrhoe von einer „normalen Regelblutung“ abzugrenzen.

Häufigkeit und Ursachen

Etwa jeder fünfte Mensch mit Uterus im fruchtbaren Alter erlebt eine Hypermenorrhoe. Gründe dafür können die folgenden sein:

  • Myome oder Polypen in der Gebärmutter
  • Entzündungen der Gebärmutterschleimhaut
  • Endometriose
  • Hormonelle Störungen
  • Probleme mit der Blutgerinnung
  • Auch eine Spirale oder Kupferkette (intrauterine Pessare, IUP) zur Empfängnisverhütung können die Blutung verstärken
  • In seltenen Fällen sind bösartige Wucherungen (Tumore) der Grund

Oft gibt es aber keinerlei erkennbare Ursache und die starke Blutung ist, wenn man es so sagen möchte, eine Laune der Natur.

Eine Hypermenorrhoe kann, muss aber nicht, gleichzeitig mit einer Menorrhagie auftreten. Das bezeichnet eine Regelblutung, die länger als sieben Tage anhält.

Probleme im Zusammenhang mit Hypermenorrhoe

Aufwändiges Periodenmanagement: Viele Menstruierende schützen sich mit einer Kombination aus mehreren Menstruationsartikeln – zum Beispiel Tampons und Wegwerfbinden, Menstruationstasse und Stoffbinde oder Menstruationsunterwäsche – und müssen dennoch sehr häufig eine Toilette aufsuchen. Das hat Auswirkungen auf Beruf und Freizeitgestaltung.

Kreislaufprobleme: Der hohe Flüssigkeitsverlust kann zu Schwindelgefühlen und Erschöpfung führen.

Eisenmangel: Viele Menschen mit Hypermenorrhoe entwickeln einen so genannten Speichereisenmangel oder sogar eine Eisenmangelanämie. Aus diesem Grund kann es ratsam sein, regelmäßig das Blut untersuchen zu lassen und gegebenenfalls Eisen als Supplement zuzuführen. Anzeichen für Eisenmangel können sein: Eine erhöhte Neigung zu Infekten, Kurzatmigkeit, Erschöpfung, brüchige Haare und Nägel, depressive Verstimmungen u.v.m.

Sexualität: Eine übermäßig starke Blutung kann das Sexualleben einschränken.

Ich habe Hypermenorrhoe, wie gehe ich damit um?

Nun habe ich schon seit über 30 Jahren meine Periode und habe mich im Laufe der Zeit an die Hypermenorrhoe gewöhnt. Für meine Lebensqualität hat es immens geholfen, auf wiederverwendbare Menstruationsprodukte umzusteigen. Tampons und Binden haben bei mir zu Störungen der Vaginalflora geführt, die Folge waren häufige Infektionen. Ich kombiniere meistens eine Menstruationstasse mit Stoffbinden oder Menstruationsunterwäsche. Gelegentlich verwende ich einen sogenannten Levantiner Schwamm anstatt der Menstruationstasse.

Manche Betroffene entscheiden sich dazu, hormonell zu verhüten und somit nur noch eine Abbruchblutung zu erleben (oder die Pille im Langzeitzyklus zu nehmen, so dass keinerlei Blutung mehr auftritt). Dafür hatte ich mich als junge Frau entschieden, allerdings ist es für mich keine langfristige Option.

Für Menschen ohne bzw. mit abgeschlossenem Kinderwunsch ist eine Verödung der Gebärmutterschleimhaut (Endometriumablation) eine Methode, um die überstarke Menstruation in den Griff zu bekommen. Dabei wird die Gebärmutterschleimhaut durch Hitze verödet. Im Anschluss fällt die Menstruation deutlich schwächer aus oder kann sogar ganz ausbleiben. Zu den sogenannten Verfahren der ersten Generation gehören die Ablation mit einer durch Strom erhitzten Drahtschleife (Resektionsschlinge), einer Roller-Ball-Elektrode oder einem Laser-Verfahren. Die Verfahren der zweiten Generation sollen schonender sein, darunter fällt die Goldnetz-Methode NovaSure, bei der ein Netz in der Gebärmutter eingesetzt und erhitzt wird. Bei der Hydrothermablation wird die Schleimhaut mithilfe von einer Flüssigkeit verödet, außerdem können noch Mikrowellen zum Einsatz kommen. Der Eingriff wird bei entsprechender Indikation von der Krankenkasse übernommen und in der Regel ambulant durchgeführt. Wichtig zu wissen: Eine Verödung der Gebärmutterschleimhaut ist keine Verhütungsmethode, da im Anschluss eine Schwangerschaft nicht zu 100% ausgeschlossen ist.

Eine Hysterektomie (Entfernung der Gebärmutter) wird heutzutage in der Regel nur vorgenommen, wenn es dafür weitere medizinische Indikationen gibt.

Um meine Gesundheit und Fitness zu erhalten, ist es bei mir wichtig, regelmäßig Eisen zu supplementieren. Das mag nicht bei jeder Person mit Hypermenorrhoe notwendig sein. Im Zweifelsfall kann es hilfreich sein, die entsprechenden Parameter im Blut zu bestimmen. Neben dem Hämoglobinwert sollte immer auch der Ferritinwert ermittelt werden, um das im Körper gespeicherte Eisen zu überprüfen. Bei einer Eisenmangelanämie übernimmt die gesetzliche Krankenkasse in manchen Fällen Eiseninfusionen, die schneller und effektiver wirken als Tabletten.

Über die Menstruation reden!

Hätte ich mich nicht mit anderen Betroffenen ausgetauscht, wäre mir wohl nie klar geworden, dass meine Regelblutung überstark ist und dass es Möglichkeiten gibt, damit besser klarzukommen. Ich wünsche mir für alle Menschen, deren Menstruation sie vor besondere Herausforderungen stellt, dass sie sich mitteilen können – sei es im Gespräch mit Gynäkolog:innen oder im Austausch mit Freund:innen.

Ich wünsche mir, dass Menstruationsgesundheit ein Thema ist, über das offen geredet werden kann – je mehr Informationen es dazu gibt, desto besser können Betroffene einen Weg finden, mit einer überstarken Regelblutung umzugehen.

4 Kommentare

  1. Hallo, ich habe auch eine sehr starke Menstruation. Allerdings nur 3Tage von insgesamt 4Regel-Tagen. Als ich mich vor ein paar Jahren entschied unseren Haushalt umweltfreundlicher zu gestalten, entdeckte ich zuerst Menstruationstassen. Aber Tampons brauchte ich immernoch gleichzeitig! Dann entdeckte ich, dass es Stoffbinden gibt. Habe viel recherchiert und bin bei Kulmine gelandet und geblieben. Habe am Anfang etwas mehr investiert und 12 Stk. Maxi mit Flügel in Naturfarbe gekauft. Das war vor ca.4 Jahren. Heute bin ich froh, dass ich es
    getan habe.
    Da (mein) Blut nicht so schnell rausgeht, muss ich sie kurz auswaschen und 1 Tag in etwas Waschmittel einweichen.
    Da die naturbarbenen Binden mit anderer heißer Wäsche gewaschen werden können, ist es kein Problem sie mit Vorbehandlung wieder ganz sauber zu kriegen. Ich verwende gerne nachts auch die Menstruationstasse noch mit. Es lohnt sich in Kulmine zu investieren, es zahlt sich später mehr und mehr aus. Danke für diese Möglichkeit Kulmine!
    LG Michaela H.

    Antworten

    • Liebe Michaela,
      vielen Dank für Deine Rückmeldung!
      Ich selbst kombiniere auch Menstruationstasse mit Stoffbinden, insbesondere an den starken Tagen der Periode.
      Liebe Grüße Alba

      Antworten

      • Liebe Alba,ich danke Dir:-) ich habe seit etwa 5 Jahren stärkere Blutungen, da meine FA nicht dazu gesagt hat, habe mir da auch nicht viel Gedanken zu gemacht. Ich war oftmals müde aber ich schon das auf den Altag. Bis mein Eisenmangel sich im brennen am Kehlkopf äußerte. Nach 1 1/2 Jahren hat dann der (5 Arzt) HNO mich auf das Eisen Problem hingewiesen. Jetzt bin ich am überlegen was ich mache , bin bei ca. 250ml pro Monat das schlaucht. Habe grade mit IBO angefangen bin der Meinung war besser. Nächstens mal Vitamin E und dann schaue ich weiter. Wahrscheinlich komme ich an einer Verödung nicht vorbei. Lieben Dank an Dich für diese Info’s.
        Anna

      • Liebe Anna, Alba war im Urlaub und hat deinen Kommentar deshalb noch nicht gesehen. Wir geben ihr Bescheid. Medizinische Ratschläge dürfen wir natürlich nicht geben, aber vielleicht hat sie noch andere Tipps für dich.

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