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Teil 1: Mein Weg

Die Suche nach Gynäkolog:innen | Teil 1

Die Suche nach kompetenten Ärzt:innen gestaltet sich oft genug schwierig, und davon sind Gynäkolog:innen nicht ausgenommen. Fehlende Einfühlsamkeit und Fachkompetenz können hier – wie in anderen medizinischen Bereichen – im Rahmen ganz normaler Untersuchungen nachhaltig zu Ängsten führen. Doch es gibt sie: Die einfühlsamen und kompetenten Gynäkolog:innen (im Folgenden: Gyns). Aber wie findet man sie?

In meiner Arbeit als Beraterin und auch im Bekanntenkreis kommt genau diese Frage immer wieder auf. Deswegen gibt es nun diesen Artikel dazu! Im ersten Teil erzähle ich von meinen ganz persönlichen Erfahrungen. Im zweiten Teil geht es dann um meine Sicht als Beraterin unter Einbezug von Erfahrungen der Frauen, die ich beraten und begleitet habe. 

Das erste Mal

2003 ging ich zum ersten Mal zu einer Frauenärztin. Ich war 16 Jahre alt und hatte eine kleine, nicht heilende Verletzung an der Vulva. Auf keinen Fall wollte ich zum Frauenarzt meiner Mutter gehen. Deswegen suchte ich eigenständig nach einer Ärztin. Da ich nicht einfach irgendjemanden anrufen wollte, dachte ich: pro familia wird bestimmt eine Empfehlung geben! Die Idee war gut, scheiterte aber daran, dass die Mitarbeiterin keine Empfehlungen geben durfte, weil das als Werbung ausgelegt werden könne. Weitere Ideen hatte ich nicht und nahm schließlich einfach die erste Adresse aus dem Telefonbuch.

Es wird sicherlich niemanden überraschen, dass mein Erlebnis bei der Frauenärztin nicht besonders toll war. Immerhin aber auch nicht so schlimm, wie es vielen anderen ergeht. Der Besuch war vor allem sinnlos, denn die Ärztin führte die Untersuchung durch, als ob sie darauf keine Lust hätte, tat mir dabei weh und gab mir dann einen Tipp, der nicht hilfreich war. 

Der zweite Anlauf

Den nächsten Versuch startete ich, als ich wegen einer akuten Pilzinfektion Hilfe suchte. Weil es deswegen besonders dringend war, ging ich einfach zu einer Gynäkologin, die ganz in der Nähe meiner Wohnung ihre Praxis hatte. Das war zwei Jahre nach dem ersten Besuch und mittlerweile nutzte ich NFP als Verhütungsmethode. (NFP steht für Natürliche Familienplanung. Mehr Informationen dazu findest du hier).

Was mir durch den Besuch deutlich wurde: Mit dieser Verhütungsmethode hatte ich nun ein sehr gutes Abgleich-Instrument. Anhand ihrer Reaktion auf das Thema NFP kann die Kompetenz von Gyns in meinen Augen ziemlich genau eingestuft werden: NFP als unsicher zu bezeichnen zeigt, dass die Person kein gutes Verständnis vom Zyklus und von der Fruchtbarkeit hat. Natürlich gibt es noch andere wichtige Aspekte – darauf komme ich später zurück.

Auch zu dieser Gyn ging ich kein zweites Mal, vor allem, weil sie NFP ablehnte. Sie hatte mir ein Pilzpräparat verschrieben und sonst keine weiteren Informationen gegeben. Erst später lernte ich, wie wichtig es ist, nach einer Pilzbehandlung die Flora der Vulvina wieder aufzubauen.

Mittlerweile war wieder einige Zeit vergangen und inzwischen hatten einige Gyns Homepages zu ihren Praxen erstellt. Darüber suchte ich nun gezielt nach einer Person, die NFP empfahl. Zu diesem Zeitpunkt löste ich mich von dem Wunsch, zu einer weiblichen Gyn zu gehen. Nachdem ich bei den beiden bisherigen  Untersuchungen Schmerzen empfunden hatte, war mir das Geschlecht nun egal. Ich wollte eine schmerzfreie Untersuchung und außerdem wünschte ich mir, eine Person zu finden, die NFP positiv gegenüberstand.

Klappe: Die dritte

Der neue Arzt kannte sich dann zwar nicht besonders gut mit NFP aus, empfahl es aber ausdrücklich als sichere Methode und hatte sogar Bücher dazu direkt auf seinem Tisch liegen. Seine Untersuchungen waren schmerzfrei und die Unterhaltung äußerst informativ. Er zeigte mir beim Ultraschall die verschiedenen inneren Organe und gemeinsam versuchten wir z. B. herauszufinden, von welchem der beiden Eierstöcke das letzte Ei gesprungen war.

Viele Jahre später entschied ich mich dazu, nicht mehr zu ihm zu gehen, weil er zu oft darüber sprach, dass ich möglichst bald Kinder bekommen solle, weil meine Fruchtbarkeit abnehmen würde, sobald ich älter als 25 wäre. (Das stimmt natürlich nicht.)

Zwischen dem Entschluss, nach jemand neuem zu suchen und dem Zeitpunkt, an dem ich jemand neues fand, lagen einige Jahre, in denen ich nicht zur Vorsorge gegangen bin und auch keine Beschwerden hatte. Weil es aber im Akutfall schwierig sein kann, einen Gyn-Termin zu bekommen, wenn man noch nicht in der Kartei einer Praxis ist, machte ich mich wieder auf, jemanden zu finden, bei der oder dem ich mich wohlfühlte.

Das bisherige Ende der Reise

Über Empfehlungen landete ich nun bei einer jungen Ärztin, die die Untersuchungen sorgfältig durchführt und dabei keine Schmerzen verursacht. Außerdem ist ihre Praxis für mich gut erreichbar. Auch sie kennt sich gar nicht mit NFP aus, äußert sich aber immerhin nicht negativ dazu.

Obwohl ich von keiner meiner Gyns wirklich begeistert war, hatte ich doch Glück. Das weiß ich ohne jeden Zweifel, wenn ich meine Erfahrungen mit denen von Freundinnen vergleiche, mit Erfahrungsberichten, die in Foren zu lesen sind und mit Berichten aus meinen Beratungen.

Neben schmerzhaften Untersuchungen, traumatisierendem Umgang mit (fehlenden) Informationen und nicht vorhandenem Einfühlungsvermögen bin ich vor allem immer wieder schockiert über die mangelhafte Fachkompetenz. Das fängt mit unzureichender Hilfe bei Pilzen und Vaginosen an und geht hin zu unnötiger Panikmache vor scheinbaren Krankheiten (die oft dann doch keine sind!) oder Unfruchtbarkeit. Allein in meinem direkten Umkreis wurde mehreren Frauen unnötig Angst vor einer möglichen Unfruchtbarkeit gemacht – nach einer kurzen Einführung in NFP von mir wurden alle innerhalb der ersten drei Zyklen mit ungeschütztem Sex schwanger. Und sie sind bei weitem kein Einzelfall!

Doch nun genug der Vorgeschichte, und auf zu Teil 2

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