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7) Tradition – eine persönliche Begriffsdeutung von Mela

Manchmal klingt Tradition für mich nach etwas Wertvollem, in dem altes Wissen aufbewahrt wurde. Manchmal scheint es mir mehr als verkrustetes Brauchtum, der nur um der Schale willen zelebriert wird. Es ist ein ambivalentes Verhältnis, das ich in der Hinsicht habe.
Daraus ergab sich Neugierde und eine kleine Recherche zu dem Thema.

Ich lasse mich gerne von der Etymologie inspirieren, der Herkunft von Worten. Sie hilft mir, neue Blickwinkel zu einzunehmen und erweitert den heute gewohnten Bedeutungshof des Wortes um eine weitere Dimension.

Tradition…
Die Wurzeln des Wortes Tradition gehen auf den lateinischen Begriff “tradere” zurück, was je nach Kontext auch übergeben bedeuten kann. Im Englischen “trade” für Tausch/Handel klingt der lateinische Ursprung nach und zeigt an, dass es nicht nur um Geben sondern auch um Nehmen geht.
Daraus ergab sich für mich der Gedanke, dass Traditionen nicht wie Gene vererbt werden, sondern es auch auch jemanden gibt, der die Tradition annimmt. Das ergibt ja auch meist Sinn und ist hilfreich, wie zum Beispiel in Bezug zum Gebrauch von Werkzeuge oder Sprache. Rituale sind eigentlich ebenfalls solche hilfreichen Werkzeuge – nur auf einer anderen Ebene, beispielsweise für innere Prozesse und soziales Miteinander. Durch Rituale wird etwas vermittelt, dass sich mit Worten schwer ausdrücken lässt und oft kann erst im Erleben die Bedeutung in der gänzlichen Tiefe erfasst werden.

…und Innovation
Wenn jedoch diese Handlungen zur Gewohnheit und als wichtiger empfunden werden als das Geschehnis auf der anderen Ebene, wird die Tradition hohl. Der Kern, um den es geht, bleibt verdeckt. Dann lohnt es sich, neu auf die Suche nach dem zu gehen, was wirklich wichtig ist und dafür (wenn gewünscht) eine eigene Tradition zu gründen.
Auf diese Weise können Innovation und Tradition verknüpft werden. Innovation ist wichtig, um das, was unser Leben bereichern kann, weiterzutragen. Die Gesellschaft, das soziale Miteinander, wir selbst mit unseren inneren Prozessen: All das ist ständig im Wandel – wie können da die Traditionen immer gleich bleiben?

Manchmal gibt es eine Sehnsucht nach alten Traditionen. Dann scheinen sie wie eine beschützende Decke und erinnern an den vermeintlichen Glanz alter Tage. Doch diese Decke kann verhindern, dass angeschaut wird, was nicht stimmig ist.
Manche Menschen sind gegen alte Traditionen, ohne neue zu kreieren, sehnen sich aber nach Tiefe. Doch für die ist es meist nötig, sich erst von alten Traditionen zu lösen, um dann neue/eigene für sich entdecken zu können. Sie entstehen aus einem Ja, nicht aus einem Nein zu Bestehendem.
Innovation als eine Neugestaltung kann der Idee einer Tradition gut tun – auch wenn es vielleicht erstmal ungemütlich ist.
Dafür hat man vielleicht bald genau die neue Decke, die man schon immer mal haben wollte. Und wer weiß – vielleicht passt sie besser zum eigenen Leben, als es die alte je konnte!


Experimentierfeld:
Wenn du die nächsten Tage über verschiedene Traditionen nachdenkst, kannst du dir folgende Fragen stellen:
• Welche Traditionen sind bisher vorgesehen und festgelegt – von wem oder was?
• Welchen Wert haben die Ideen des Schenkens, des Lichterschmucks, des Beisammenseins?
• Welcher Kern liegt für mich in der Tradition?
• Welche Bedeutung hat der Winter für mich?
• Was brauche ich im Winter am meisten?

Du könntest für alle dir einfallenden Traditionen kleine, symbolhafte Gegenstände sammeln und für dich nach Wichtigkeit sortieren.
Bewahre deine Sammlung ruhig noch ein wenig auf, vielleicht ändert sich deine Meinung auch noch und du willst umsortieren.
Anhand dieser Sammlung kannst du dich fragen:
Welche Traditionen möchte ich…
… abschaffen?
… für mich neu gründen?
… beibehalten?

Wenn Familien gemeinsam anfangen, Traditionen zu hinterfragen, könnte man sich zu Beispiel zusammensetzen und jede*r wünscht sich eine neue Tradition.

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