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Beschäftigung mit der Periode: Ein Plädoyer für diesen Prozess

“Liebe Petra, es klingt wirklich sehr besonders, deine Arbeit, dein Umfeld. Soviel Freude, Lebendigkeit dabei, das finde ich wirklich besonders. Und dann tust du dabei noch so eine wichtige Arbeit. Also, ich kenne ja nun bislang nur die Kulmines, die Homepage, die anderen Produkte, die vielen Erklärungen und Ideen. Was du in deinen Behandlungen tust oder auf den Seminaren, das ist mir ja noch nicht so ganz klar. 😉

Aber alleine über Kulmine bin ich persönlich so dankbar. Mir fällt leider oft nur im direkten Vergleich mit anderen auf, was sich alleine bei mir getan hat, seit Stoffbinden, Cups und so vieles andere in mein Leben getreten sind. Wie froh ich bin, mich nicht mehr an manchen Tagen “Ihhh” und “bähhh” zu finden, und peinlichen, unangenehm riechenden Müll irgendwo heimlich entsorgen zu müssen. Sondern all das, was ich mir vorher in anderen Bereichen an Freiheit, Selbstbewusstsein erarbeitet hab, auf einmal auch für diesen Teil Frausein anwenden zu können. Mein Blut zu sehen, Unterschiede wahrnehmen zu können. Nur das Blut zu riechen, und keine 1000 Duftstoffe und das, was dann am Ende daraus wird. Seit ich mittlerweile eine ganz gute Sammlung an Kulmines habe, fange ich an, auch die Cups nicht mehr zu verwenden und merke, dass es mir manchmal viel besser tut, wenn das Blut ablaufen kann, wenn ich auf einmal das Blut rinnen spüre. Alles Empfindungen, die es für mich früher gar nicht gab.


Ich hab mir vor kurzen den Podcast angehört, ich glaube dort war es, wo deine Gesprächspartnerin meinte, das Tabu des “Durchblutens” kenne sie nicht, oder so ähnlich. Meine Güte, hat das Bewegung in mir ausgelöst. Denn ich kenne das sehr wohl, erst vor einem Jahr war ich mit einem Freund unterwegs, wie saßen im Park, lümmelten rum – und abends stellte ich beim ausziehen fest, dass ein alter Blutfleck in der Hose, genau in der Mitte, war, und ich ihn im stundenlangen Schneidersitz den ganzen Tag präsentiert hab – ich hab mich so geschämt! Als ich euer Gespräch gehört hab, hat es mich so richtig durchfahren. Damit ist Schluss! Ich kann mich doch nicht freuen, dass ich monatlich das Blut mit den Händen aus den schönen Binden wasche, sie nach dem Waschen sorgsam in ihr Körbchen lege, und mich dann als erwachsene Frau immer noch schämen, wenn es öffentlich wird, dass ich eine Periode habe und hin und wieder was daneben geht! Mein erster Schritt dazu war, beim letzten Besuch nicht hektisch ins Bad zu rennen, und die Schale mit eingeweichten Binden zu verstecken. Es sah nicht eklig aus, sie waren schon sehr sauber, so what. Und auch ansonsten hab ich grad das Bedürfnis, offener mit meiner Menstruation um zu gehen, ich weiß nur noch nicht wie. Leider verbindet mein Umfeld sie mit nichts gutem, weil ich am ersten Tag immer flachliege mit Schmerzen, aber ich muss mir da mal was überlegen.

So, das war jetzt eine lange, ungeordnete Geschichte. Auf jeden Fall ein Plädoyer für Stoffbinden und den Prozess, der sich in Gang setzen kann, wenn sich Frau mit ihrer Periode beschäftigt.Gibt es denn eine Möglichkeit, wie ich von meiner Stadt aus mitarbeiten kann? Ich würde irgendwie gerne dazu beitragen, dass mehr Frauen diesen Weg überhaupt kennenlernen können, irgendwie unterstützen, dass diese guten Dinge ihren Weg in die Welt finden. (Ich versuch es schon immer im kleinen, habe auch schon ein paar Frauen mit “Probebinden” versorgt, aber so richtig Anklang hab ich noch nicht gefunden. Die einzige, die sehr begeistert war, ist meine Mutter, die sie aber nicht mehr braucht. Sie sagte, die Stoffbinden wären ihr eine sehr willkommene Alternative zum Wattebausch gewesen.) Naja, wir haben ja am Telefon schon mal kurz darüber gesprochen. Was ich gut kann, ist schreiben oder redigieren und organisieren. Wenn ich da irgendwas beitragen kann, lass uns darüber sprechen, es würde mich so freuen, meine Fähigkeit und Begeisterung mal wieder für etwas gutes einzusetzen!

Viele Grüße!”

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  1. Liebe “fremde Feder” 😉

    Deine Bemerkung, dass Dein Umfeld Deine Periode mit “nichts Gutem” verbindet, weil Du am ersten Tag flachliegst, hat mich an mich erinnert, denn bei mir ist/war es auch so.
    Freunde von mir sind Biobauern, bei ihnen wird jeden Freitag Brot gebacken und im Laden verkauft. Ich bin seit Jahren die Aushilfe, wenn sie mal auf Urlaub oder sonstwie verhindert sind. Die Termine sind meistens schon Monate vorher ausgemacht und ein paar Wochen vorher ruft mich mein Freund immer an und fragt, wie die Chancen stehen, dass ich hoffentlich nicht gerade an dem Tag meine Periode bekomme.
    Beim letzten Mal war es knapp, ich habe zwei Tage danach meine Periode bekommen. Und zwei Tage vor der Periode habe ich… genau!: meinen Putzfimmel 😉 – ich habe nicht nur Brot gebacken den ganzen Tag den Laden geschmissen… meine Freunde haben die Backstube nicht wiedererkannt! Die beiden haben sich sehr gefreut und meinten: in Zukunft werden sie mich nicht mehr fragen, wann ich NICHT meine Periode bekomme, sondern WANN ich sie bekomme 😉

    Damit möchte ich sagen: es gibt an der Periode viel Positives, und das auch für das Umfeld! 🙂

    Alles Liebe
    Lydia

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