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In mir ist so viel Raum zum Wachsen – Schweigen und Wahr-Nehmen

In meinem letzten Artikel schrieb ich über die Erfahrung des >freien Tanzens im Kreis während eines Seminars von Petra Sood.
Das bewusste Schweigen, das sie mir dabei zeigte und nahebrachte, war eine zweite neue und wunderbare, sehr eindrückliche Erfahrung mit mir selbst.

Jeden Tag spreche oder schreibe ich mit Menschen:
Organisatorische Absprachen und manchmal auch Nonsens, um die Stille zu füllen, aus Unsicherheit, zum Sondieren der Stimmung. Meistens bemühe ich mich, durch ausführlich bedachte Kommunikation (schriftlich und mündlich), Missverständnisse möglichst vorwegzunehmen.
Manchmal erfolglos, denn ich kann nur meine Worte denken und für andere – fälschlicherweise – annehmen. Es ist mir wichtig, anderen zuzuhören und “zuzulesen”, doch wie oft höre ich wirklich bewusst mir selbst zu?

Beim Ankommen im Seminar kannte ich zwei der anwesenden Frauen vom Sehen. Mein erster Impuls war also, zu sprechen, Anknüpfungspunkte zu finden, „anzukommen“. Doch das war gar nicht nötig, denn die für mich ungewohnte, aber natürliche und den Raum erfüllende Stille um Petra und das aufmerksame Schweigen im Seminarraum taten so gut und das Gefühl, etwas sagen zu müssen, anknüpfen zu müssen, verflog. Gemeinsam tranken wir schweigend Tee und es fühlte sich für mich sehr behaglich an. Ich spürte und erkannte an: Die Wochen vorab waren anstrengend gewesen, die Anreise am Vortag lang. Ich durfte nun einfach hier sitzen, Tee trinken und die Eindrücke still in mich aufnehmen.

Das von Petra geförderte aufmerksame Schweigen, das wir uns während des gesamten Seminars selbst und gegenseitig schenkten, entband uns von einer übermäßigen sprachlichen, vielleicht oberflächlichen Hinwendung zu den anderen. Vielmehr ermöglichten wir uns gegenseitig die Hinwendung zu uns selbst. Indem wir schwiegen, in uns selbst horchten oder gar nichts dachten, gaben wir den anderen Teilnehmerinnen Zeit, das selbe zu tun. Das ist im Alltag aus den verschiedensten Gründen oft unmöglich. „Small Talk“ mit Kund*innen, Klient*innen, Kinder, Alltagsorganisation oder Dinge, die gerade nicht besprochen werden konnten, traten in den Hintergrund. Mein Gefühl war: Indem die anderen in sich schauten und ihre Stille achteten, achteten sie meine und ermöglichten meiner inneren Stimme, gehört zu werden. Und ich tat das selbe für sie, indem ich schwieg.

In diesem geschützten Raum die Energie der Worte und Gedanken unausgesprochen in mir zu lassen, half mir an diesem Wochenende besonders, Kraft zu tanken. Ich konnte die wertvollen Gedanken, die mich füllten, bewusst, still und aufmerksam anerkennen.

Lara

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Lara beherbergt ein buntes Sortiment an Kulmines, Schwämmchen und einer Menstasse. Die zyklische Wiederverwendung der Produkte unterstützt für sie einen wertschätzenden Umgang mit natürlichen körperlichen Vorgängen wie z. B. der Menstruation. Seit 2007 betreibt sie nfp.

2 Kommentare

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    Falls jemand von den Leser*innen Fragen hat oder wissen möchte, wie ich etwas bestimmtes erlebt habe, freue ich mich auch über Fragen und/oder Austausch in den Kommentaren.

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    Ich kann dir nur aus vollem Herzen zustimmen! Stille hilft dabei, zur Ruhe und zu sich selbst zu kommen. Allein gönnt man sich das vielleicht sogar. Schön, dass wir diese Erfahrung auch in einer sozialen Situation, wie Petras Workshop, machen durften. Mir war dieser Teil auch sehr wichtig. Alles Gute für dich, Lara!

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