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13) Essen: vom Kochen zum Genuss!

Was möchte ich kochen? Das, was es immer an Weihnachten gibt oder etwas anderes? Will ich viel Energie darauf verwenden oder wenig? Muss ich kochen? Können diesmal andere kochen oder wollen wir zusammen kochen? Ist mir diese Tradition wichtig?

Ein geschichtliche Hintergrund tut gut, um die angebliche Notwendigkeit einer fetten Weihnachtsgans und ihrer Begleiter zu relativieren: Die Idee vom vielen Essen stammt aus einer Zeit, als im Winter Schmalhans Küchenmeister war. Zudem gab es eine Fastenzeit zwischen St. Martin und Weihnachten, die dann mit einem entsprechend üppigen Mahl beendet werden wollte. Da in unserem Kulturkreis Hunger und karge Winterkost ebenso selten sind, wie die Fastenzeit im Herbst, und die meisten von uns von viel Essen umgeben sind, mag das heutige Festessen bei vielen eher von Überfluss und Übermaß zeugen.


Ideen für Festessen mit wenig Aufwand:
Viele Gerichte (wie zum Beispiel den klassischen Kartoffelsalat) kann man schon am Vortag vorbereiten und schmecken sogar besser, wenn sich der Geschmack über Nacht entfalten darf. Eintopf oder Suppen können sogar noch länger vorher zubereitet werden, wenn man sie in Bügelgläser abfüllt oder einfriert.
In vielen Familien ist eine kalte Platte Tradition, die meist mit ein paar Handgriffen hergerichtet ist.
Das Kochen als Event mit Raclette und Fondue verteilt den Kochvorgang an sich gleichmäßig auf alle Teilnehmenden. Und jeder kann sich in der gemeinsamen Vorbereitung (am Vortag) für ein oder zwei Zutaten verantwortlich zeigen.

Wer kochen möchte und sich Sorgen um das Gelingen macht:
Wer mit Kochen nicht so sattelfest ist, könnte auf altbewährte Rezepte setzen. Und wenn man den Abend alleine verbringt oder mit jemandem, dem der Weihnachtsbraten auch nicht wichtig ist: Einfach mal einen Fastentag einlegen und nur genüsslich am Tee nippen.
Oder man macht, was als Kind in der Vorstellung so toll wirkte – einen ganzen Tag nur Süßkram und Plätzchen essen. (Der verdorbene Magen kann dann auch gleich die nächsten zwei Tage als absolut wasserdichte Ausrede genutzt werden, um nicht zu den Verwandschaftstreffen zu gehen.)


Wenn du Weihnachten klassisch traditionell feierst:
Hast du die Arbeit, die so ein Fest mit sich bringt, schon auf­geteilt? Beteiligt sich dein Mann/deine Frau, so dass die Anstrengung und die Freude gleichmäßig auf euch verteilt sind? Wenn du größere Kinder hast, gilt die gleiche Frage.

“Seit meine Kinder junge Erwachsene waren, haben wir gemeinsam entschieden, was es zu essen geben soll und gemeinsam gekocht. So bleiben alle entspannt, es gibt Nähe und Gespräche beim Kochen. Ein Genuss und ein Geschenk an alle.” – Petra


Kochen ist für mich – wenn ich mir Muse dabei lasse – eine Meditation. 
Ich richte meinen Arbeitsplatz, stelle alle Zutaten in einer Parade vor meinem schweren Holzbrett auf und ziehe das große Messer aus der Schublade. Ich spüre die raue Oberfläche der Kartoffeln unter dem kalten Wasser und wie dieses meine Hände frisch durchblutet.
Die Gedanken lassen den Tag vorüberziehen und das Lachen oder Weinen, die Geschichten und das Schweigen fließen vorüber. Das Geräusch, wie das Messer durch die Karotten gleitet, endet hart auf dem Brett, schneidet die Gedanken ab, schnipp schnapp. Manchmal übe ich mich darin, gleichmäßigere Scheiben und leiser zu schneiden – ohne dabei an Tempo zu verlieren. Danach kommt der erdige Geruch der roten Beete mit ihrer geheimnisvollen Maserung im Inneren. Sie blutet in das Holzbrett. Ich lasse gerne die rote Farbe an meinen Fingern, wie ein temporäres Koch-Tattoo. Sobald ich die Zwiebeln und den Knoblauch geschnitten habe, schmecke ich sie schon fast auf der Zunge. Ich bin ganz im Tun. Meine Sinne sind ganz da. In einem Mörser zerstoße ich energisch Salz und eine getrocknete Chili, die mir scharf in der Nase brennt. Zusammen mit frisch gezupftem Rosmarin kommt alles in eine Schüssel.
Darüber kommt viel Olivenöl und schon während ich zur Flasche greife, freue ich mich auf das, was gleich kommt: Alles mit den Händen vermengen. Jawohl, mit den Händen ins Essen, hin und her, die Farben mischen, gelb, orange und tiefes rot, die Hände ölig rundherum.
Der Gasofen zischt leise beim Anschalten und erwartungsfroh schiebe ich das Blech rein. Jetzt warte ich, räume derweil das Messer und das Brett an seinen Platz und säubere den Tisch, suche meinen Lieblingsteller und meine Lieblingsgabel aus dem Regal und schnuppere ab und an, wie die Luft immer wärmer und würziger wird. Wenn das Gemüse dann dampfend aus dem Ofen kommt – ja dann! Dann ist das Kochen nicht beendet, sondern findet durch das Aufschöpfen einen Übergang zu der Tätigkeit, die Essen genannt wird. Dabei ist es eigentlich die Fortsetzung des Genusses, der vor einer Stunde begann. Oder war das Kochen schon teil der Nahrungsaufnahme – eben mit all meinen anderen Sinnen?
Ich fühle, wie sich in dieser Stunde etwas verbunden hat und wie mich mit mehr genährt habe, als nur mit dem Essen in meinen Bauch. Eine Wärme erfüllt mich.
– Mela

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