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Die Geschichte von Kulmine seit 1992 | Teil 1

Petra Sood bei einem Messestand von DIE VIVAS

Wer das Kulmine-Haus betritt, wird von warmen Farben und Hausschuhen empfangen, Teekochen gehört wie das Händewaschen zum festen Ankunfts-Ritual. Eine ruhige und angenehme Atmosphäre breitet sich in allen Räumen aus, getragen von Stille und fröhlichem Lachen. Unsere Teambesprechungen finden mit einer Tasse Tee in der Hand statt, Einzelgespräche führen wir bei gemeinsamen Spaziergängen. 

Bei Kulmine ist vieles anders

Alles hat seinen Platz, Ruhe und Ordnung bilden den Rahmen für unsere Mitarbeiter:innen, so dass jeder Arbeitsschritt die nötige Aufmerksamkeit bekommen kann. Denn bei uns geschieht vieles in liebevoller Handarbeit, angefangen vom Zuschnitt, über das Nähen, Sortieren und Falten der Produkte bis hin zum Verpacken der Bestellungen. Eine Wohltat für die Sinne – für uns und unsere Kund:innen – der weiche Griff der Stoffe, die vielfältigen Farben unserer Produkte, die fröhlichen Farben und das Knistern des Seidenpapiers, in das die Bestellungen gewickelt werden.

Und im Hintergrund unterstützt uns moderne Technik, denn nicht nur unser Online-Shop ist moderner geworden, sondern auch unsere Lager- und Versandprozesse sind inzwischen komplett digitalisiert. Sichtbar wird dies bei den Barcodescannern, die bei der Erfassung der bestellten Produkte und der Vorbereitung des Versands helfen, oder bei dem iPad zur Erfassung der Arbeitszeiten, das im Eingangsbereich unaufdringlich auf unsere Mitarbeiter:innen wartet.

Bis zu diesem Punkt hat Kulmine als Unternehmen eine wechselhafte und spannende Geschichte durchlebt – vom Schwung der ersten Jahre über steinige Wegstrecken hin zu Wachstum und Erfolg, stets getragen von der lebensbejahenden Haltung Petra Soods und ihrem Vertrauen, dass sich alles fügen wird. Wir möchten euch, liebe Leser:innen, an dieser Stelle gerne mitnehmen auf eine Reise mit vielen interessanten Einblicken in unsere Geschichte.

Der Anfang

Es ist das Jahr 1991, Petra Sood verweilt bei ihrer Freundin Roswitha Weber – der Geschäftsführerin von Biogarten, einem Fachgroßhandel für Naturkost und Naturwaren. Eines Tages bringt ein Mitarbeiter von Rosi Stoffbinden aus den USA mit. Beide Frauen sind sofort begeistert, als sie die Binden in den Händen halten. Rosi, eine Pionierin der Bio-Branche, sieht den ökologischen Nutzen. Petra dagegen, die sich seit Jahren in ihren Seminaren für Frauengesundheit und Stärkung von Weiblichkeit einsetzt, erkennt die Möglichkeit, durch ein solches Produkt mehr Nähe zum eigenen Körper aufzubauen und den weiblichen Zyklus mehr wertzuschätzen. Zu dieser Zeit gibt es, mit Ausnahme der Levantiner Schwämmchen in den Feministischen Frauengesundheitszentren, auf dem deutschsprachigen Markt noch keine alternativen Menstruationsprodukte.

 „Rosi muss immer etwas in Bewegung setzen, sie hat viel Power. Damals haben wir einander gut getan und uns ergänzt.“

Petra Sood

Die beiden beginnen daraufhin gemeinsam mit dem Team von Biogarten, Stoffbinden und Stofffslipeinlagen zu entwickeln und die Vermarktung vorzubereiten. Damit sind sie Pionierinnen auf dem europäischen Markt. Rosi kann auf ihre Erfahrung als Geschäftsfrau und die Infrastruktur von Biogarten zurückgreifen, sie stellt zudem die finanziellen Mittel, um ein solches Projekt zu stemmen. Petra unterstützt die Entwicklung der Produkte mit ihrem Wissen rund um den weiblichen Zyklus und bringt ihre Fähigkeit ein, Menschen zu begeistern.

1993 beginnt die Herstellung und Vermarktung unter dem Namen „Die VIVAS“, zum Start kommen verschiedene Modelle in verschiedenen Größen und Farben auf den Markt: Faltis und Binden in der klassischen Form aus Seide und Baumwolle.

Insgesamt 300 Läden nehmen die VIVAS ins Sortiment. Petra ist auf unzähligen Gesundheits- und Bio-Messen unterwegs, um Nachfrage und ein Bewusstsein für die Wichtigkeit von Stoffbinden zu schaffen. Die Produkte sind in vielen Bioläden zu erwerben und finden ihre ersten treuen Kund:innen.

Der erste Flyer der VIVAS enthält viele Informationen rund um die innovativen Stoffbinden.

Hier kannst du den vollständigen Flyer herunterladen:

Das Ende der VIVAS

Doch dann stockt der Verkauf, die Bioläden melden zurück, dass die Stoffbinden sich nicht gut verkaufen. Rosi und Petra sehen sich mit der Erkenntnis konfrontiert, dass sie die Bio-Kundinnen falsch eingeschätzt haben. Diese sind offenbar mehrheitlich, trotz eines nachhaltigen Konsums, noch nicht offen dafür, das Tabu rund um die Menstruation zu überwinden. Die VIVAS sind unrentabel, so dass Rosi 1995 schweren Herzens die Notbremse zieht, doch Petra ist dazu nicht bereit. Sie ist überzeugt, dass die Stoffbinden wichtig sind und zu einem Ja zur Menstruation beitragen. Sie kauft Rosi die Maschinen und das Material ab, obwohl diese davon abrät, und macht von nun an alleine weiter. Die beiden Frauen sind bis heute freundschaftlich verbunden.

Bleibende Herausforderungen

Ein Kredit für den Kauf der VIVAS, die Notwendigkeit sich mit Betriebswirtschaft und Zahlen zu beschäftigen und viele weitere Herausforderungen warten auf Petra, die eigentlich nie Geschäftsfrau werden wollte. Lange Zeit bringt der Verkauf der Stoffbinden zudem keinen Gewinn ein, finanzielle Entbehrungen gehören in den nächsten Jahren zu ihrem Alltag.

1996 klagt die Wäschefirma Triumph auf Unterlassung des Namens „Die VIVAS“ mit der Begründung, dass Verwechslungsgefahr mit ihrem Korsett „Viva“ bestünde. Leider hatten Rosi und Petra in ihrer Begeisterung für den lebensbejahenden Namen nicht geprüft, ob dieser bereits so oder so ähnlich vergeben war. Petra Sood kann die gerichtliche Auseinandersetzung nicht lange finanzieren. Sie gibt die Bezeichnung „Die VIVAS“ auf, und es muss schnell ein neuer Name gefunden werden – einer, der definitiv noch frei ist …

Das Vivas-Display auf einer Messe
Ordnung im Vivas-Büro

Zu Teil zwei: Die Geschichte von Kulmine ab 1992

1 Kommentar

  1. Petra Sood

    Teil zwei kommt bald! Und Teil 1 bekommt noch mehr Fotos aus der Vergangenheit.
    Liebe Grüße aus Osnabrück!

    Antworten

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