Artikel
0 Kommentare

Fünf Dinge, die ich dank der Kulmines gelernt habe!

1. Die Menstruation ist nichts Schmutziges!

Wie viele andere Frauen auch, wuchs ich mit dem Gedanken auf, die Periode sei etwas Unreines. Meine Mutter hatte leider selbst eine schlechte Beziehung zu ihrer Menstruation. Als ich dann als Jugendliche las, dass viele Religionen und Kulturen dieser Welt, menstruierende Frauen als schmutzig betrachten und sogar aus der Gemeinschaft ausschließen, erzählte ich meiner Mutter wie schockierend und ungerecht ich diesen Zustand fand. Sie antwortete pikiert: „Na, fühlst Du Dich denn nicht schmutzig, wenn du Deine Tage hast?“ Darauf sagte ich nichts. Ich sprach dann nie wieder mit meiner Mutter über die Menstruation.

Leider ist sie heute nicht mehr da, aber gerne hätte ich erfahren, woher bei ihr das Gefühl kam, die Menstruation sei schmutzig. Möglicherweise lag es an der vergleichsweisen rigideren Erziehung zur Sauberkeit, welche Mädchen und bereits weibliche Säuglinge oft erfahren.
Die Medizinjournalistin und Autorin Margaret Minker hat auf dieses Thema in vielen ihrer Werke ausreichend hingewiesen, unter anderem in dem Buch Mit Leib und Seele gesund. Psychosomatik für Frauen. Die Folge dieser irrigen Erziehungsmaßnahme beschreibt sie wie folgt: „Mädchen fühlen sich körperlich weniger geliebt und angenommen; sie lernen ihre äußeren Sexualorgane vor allem als Teil ihrer „Scham“ wahrzunehmen – und nicht, wie Jungen, ihres „Stolzes“ und sie bekommen häufiger ein gestörtes Verhältnis zu ihren Ausscheidungen.“1 Die Industrie verstärkt zudem die Idee, dass Frauen „undicht“ und unrein seien. Intimspray, -tücher, -dusche, parfümierte Slipeinlagen und Binden. Diese Mittel können die Intimflora stören und werden deshalb von vielen Frauenärztinnen und Frauenärzten tatsächlich nicht empfohlen. Darüber hinaus enthalten solche Produkte in der Regel Chemikalien, welche Allergien, potenziell aber auch Krebs auslösen können. Dies ist unter anderem dieser Zusammenstellung wissenschaftlicher Studienergebnisse nachzulesen. Konventionelle Binden schaffen außerdem ein warm-feuchtes Milieu, welches das Wachstum von Bakterien und Pilzen begünstigt. Daraus entsteht eine unangenehme Geruchsbildung, welche wiederum die Frau in ihrem Glauben bestärkt, die Menstruation sei etwas Schmutziges. Wenn daraus noch eine vaginale Mykose oder Blasenentzündung folgt, fühlen sich manche Frauen schuldig („Vielleicht war ich doch nicht sauber genug?“) oder schämen sich. Die Stoffbinden zeigten mir einen Ausweg aus diesem Teufelskreis: Mein Blut ist nichts Schmutziges. Mein Blut ist kein Abfall, sondern eine wertvolle Aussonderung. Mein Blut wasche ich mit meinen eigenen Händen ab, ich begegne ihm und somit meiner Weiblichkeit. Mit mir und der Umwelt bin ich…im Reinen 😊

2. Man kann sich auf die Menstruation freuen

Als ich noch konventionelle Binden nutzte, plagte mich ein relativ starkes prämenstruelles Syndrom (PMS). Im Vordergrund meiner Symptome standen Müdigkeit, Reizbarkeit und Ängstlichkeit; darüber hinaus hatte ich Unterleibskrämpfe. Seitdem ich Stoffbinden verwende, hat sich das Beschwerdebild deutlich gebessert. Weil ich meine Menstruation akzeptiere und positiv deute, kann ich mich auch auf sie freuen. Reizbar und ängstlich bin ich nicht mehr. Die Müdigkeit und Krämpfe vor den Tagen, gehe ich durch noch gesündere Ernährung und die Einnahme von Magnesium an. Wertvolle Tipps im Umgang mit PMS findest Du auch in den Artikeln „Zyklisch grüßt das PMS“ auf diesem Blog. Zum Thema hat mir auch das Buch von Margaret Minker geholfen: Die kritischen Tage davor. Das Prämenstruelle Syndrom (PMS). Es ist zwar etwas älter, viele Ratschläge sind aber zeitlos. Diese Empfehlung ersetzen aber keinesfalls den Besuch bei der Frauenärztin/dem Frauenarzt!

3. Krämpfe ade!

Mit konventionellen Binden litt ich unter starken Unterleibskrämpfen, welche fünf Tage anhielten. Eine organische Ursache wurde nicht gefunden und so wurde mir der Klassiker empfohlen: Wärmende Kirschkernkissen und Schmerzmittel. Jahrelang nahm ich auch jeden Monat während meiner Menstruation Ibuprofen ein. Seitdem ich Stoffbinden verwende, habe ich nur am ersten Tag Krämpfe und diese sind deutlich schwächer als zuvor. Ich weiß nicht, ob die Ursache vielleicht nur psychischer Natur war oder ob den Krämpfen eine allergische Reaktion auf die Wegwerfbinden zugrunde lag. Für meine jetzigen Unterleibskrämpfe, habe mich für alternative Behandlungen geöffnet und nehme auf Empfehlung einer Apothekerin ein homöopathisches Komplexmittel, das bei mir sehr wirksam ist. Auch Frauentee hilft mir gut. Aber noch einmal: Man sollte Beschwerden zunächst immer ärztlich abklären lassen. Vor allem, weil bei krampfartigen Schmerzen die Krankheit Endometriose unbedingt ausgeschlossen werden muss. Mehr Informationen dazu findest du in folgendem Artikel der Apotheken Umschau.

4. Das Bluttabu ist noch immer lebendig

Durch das Benutzen von Stoffbinden hat sich mein Leben derart positiv verändert, dass ich gerne meine Begeisterung mit Freundinnen teilen möchte.  Ich dachte, es wäre bestimmt sinnvoll, mit gleichgesinnten über meine Erfahrung zu sprechen und über all die positiven Änderungen zu berichten. Außerdem nahm ich an, dass Freundinnen (vor allem solche die sehr umweltbewusst sind und dem Thema „no waste“ nahestehen) meinen Enthusiasmus verstehen würden. Das war leider nicht immer der Fall. In Gesprächen zeigte sich, dass bei vielen das Bild der Menstruation als etwas Schmutziges, das schlecht riechen würde und das man unbedingt verstecken und loswerden muss, im Vordergrund stand. Ich war überrascht, dass auch eine ausgesprochene Feministin unter meinen Freundinnen diese Meinung vertrat.

Als weiteres Argument gegen Stoffbinden wurde die angeblich mangelnde Praktikabilität vorgebracht. Dass man mit Stoffbinden arbeiten und sogar sehr weit reisen kann, war für die meisten meiner Freundinnen schwer zu glauben. Meine eigene Erfahrung sowie die FAQ auf der Kulmine-Seite helfen sehr, Mythen sowie Ängste und Vorurteile aufzulösen. Und ich glaube schon, dass einige meiner Freundinnen demnächst einen Versuch mit den Stoffbinden wagen werden. Trotzdem hätte ich auf mehr Begeisterung gehofft. Diese fand ich ganz unerwartet bei Männern! Mein Vater war der Erste, mit dem ich meine Absicht teilte, von nun an nur Stoffbinden zu benutzen. Ich habe das Glück, dass ich mit meinem Vater über alles reden kann, auch über Themen, die für viele tabu wären. Dafür bin ich sehr dankbar. Jedenfalls fand er die Idee auf Anhieb sehr gut, und spendierte mir mein erstes Kulmine-Sparset. Auch mein Mann war von Beginn sehr positiv angetan, vor allem in Bezug auf den gesundheitlichen Aspekt sowie auf den Umweltschutz.

5. Stoffbinden, Feminismus und Umweltbewusstsein hängen zusammen

Lange Zeit stand ich feministischen Themen ziemlich gleichgültig gegenüber. Es war als würden mich deren Anliegen und Kämpfe nicht direkt betreffen; ich fühlte mich nicht als „Teil“ davon. Die Benutzung von Stoffbinden hat meine Weiblichkeit und folglich meinen Sinn für feministische Themen geschärft. Seitdem lese ich feministische Bücher und Artikel, interessiere mich für die verschiedenen Umstände in denen Mädchen und Frauen weltweit leben und folge aktuellen Debatten rund um Frauenrechte. Es gibt viele verschiedene Strömungen innerhalb des Feminismus und ich bin bei weitem nicht mit allen einverstanden. Aber ich informiere mich, lese und diskutiere darüber mit Frauen wie mit Männern. In meiner Rolle als Frau fühle ich mich viel mehr im Einklang. Durch diese persönliche Erfahrung frage ich mich aber, ob der Feminismus überhaupt eine Chance hat, wenn Frauen ihren Zyklus und dadurch auch die Menstruation leugnen. Vielleicht sollte man genau deswegen mit etwas Pragmatischen und Konkreten beginnen. Neben Stoffbinden bietet sich dafür auch NFP an und dies kann dann ein Anfang zu tiefergehender Reflexion sein.

Stoffbinden zu verwenden, heißt auch, die Umwelt zu schützen und das Umweltbewusstsein zu stärken. Schätzungen gehen davon aus, dass eine Frau ca. 300 Binden (oder Tampons) pro Jahr benötigt. Das ergibt ca. 10.000 Binden von der ersten bis zur letzten Menstruation. Eine wirklich erschreckende Zahl, vor allem wenn man bedenkt, dass die Verbrennung dieser Abfälle höchst problematisch ist. Konventionelle Binden enthalten Kunststoffe wie Polyethylen oder Polypropylen sowie einen Saugkern aus Kunststoffgranulat, dazu kommt noch Plastik aus den verschiedenen Verpackungen (Um- und Einzelverpackung, Wäscheschutz-Klebefolie). Die Periode steht für innere Reinigung und positiven Neubeginn (der erste Tag der Regel markiert auch den Beginn des Zyklus). Meiner Meinung nach sollte sie nicht für Umweltverschmutzung stehen. Durch Stoffbinden kann man endlich mit der Umwelt Frieden schließen. Dies gilt selbstverständlich auch für Menstruationstassen oder -schwämmchen. Bei mir hat sich auch ganz allgemein ein neues Umweltbewusstsein entwickelt. Ich suche gerne nach ökologischen Alternativen zu Wegwerfprodukten und denke über mein Konsumverhalten nach. Mein Sinn für das Thema „no waste“ wurde geschärft. Ein guter Einstieg mit vielen leicht umsetzbaren Tipps findet man zum Beispiel in diesem Artikel von Shia.

Ich freue mich auf eure Kommentare 😊

Eure Luise

  1. Minker, Margaret: Mit Leib und Seele gesund. Psychosomatik für Frauen, S. 130f.
Luise

Veröffentlicht von

Die Gruppe der Gastschreiberinnen wächst weiter! In Zukunft wird Luise Haynau regelmäßig für den Blog schreiben und wir freuen uns sehr darüber. 🙂 Luise ist Kulturwissenschaftlerin, liebt Sprachen und Literatur und interessiert sich zunehmend für das Thema Frauengesundheit und Frau-Sein allgemein. Wenn Luise nicht liest, dann bäckt sie, kocht oder faltet Origami. Dabei hört sie sehr gerne die Musik von Amy Macdonald.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.