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Lustvoll kochen!

Meine Mutter war eine gute Köchin. Auch in ärmeren Zeiten machte sie aus wenig Lebensmitteln viel Genuss. Sie kochte meist verbunden mit mehr oder weniger Stress. Diese Verbindung von Kochen und Stress ließ mich lange Zeit nicht kochen wollen. Erst viel später verstand ich, dass sie fast immer unter Stress stand, das aber nicht mit dem Kochen direkt zu tun hatte. Während der Zeit, in denen Kinder von ihren Eltern oft Kochen lernen, hatten wir ein Restaurant, in dem die Kinder bedienten und in der Küche Hilfsdienste machten, aber niemals kochten. Als Jugendliche und noch im Studium hatte ich deswegen ein recht begrenztes Repertoire an Gerichten.

Der indische Vater meine Kinder war glücklicherweise ein guter und leidenschaftlicher Koch. In den ersten Jahren unserer Elternschaft lernte ich dann von ihm kochen. Während der Zeit begannen wir hauptsächlich vegetarisch und vermehrt vollwertig zu essen. Für den Vater der Kinder war das, bedingt durch die indische Küche, einfach. Für die deutsche Küche in den 80ern gab es noch nicht so viele Vorbilder für vegetarische Gerichte. Viele Puddingvegetarierer gab es. Mir half, wie vielen anderen auch, das wunderbare Kochbuch von Barbara Rütting. Mit der Zeit erlernte ich also die indisch-vegetarische Küche kennen und dann von einer indonesischen Freundin auch noch das vegane Kochen. Nur dass das damals noch nicht so hieß! Sie machte das undogmatisch, liebevoll und intuitiv. Sie hatte sich mit Makrobiotik und den fünf Elementen beschäftigt und aß deshalb anders, als ich es kannte. Gerichte wurden meist gezaubert, indem sie in den Kühlschrank schaute, wahrnahm, was vorhanden war, sich davon inspirieren ließ und loslegte. Von ihr lernte ich auch, die Kombination von lecker, gesund und schnell kochen. Dafür bin ich besonders dankbar. So legten meine Mutter, der Vater meiner Kinder und die indonesische Freundin die Grundsteine für meine Küche.

Wie mein Kochen sich wandelte

Ich durchlief einige Trends, was das Essen betraf: Vegetarisch, Fit for Life, Trennkost, Makrobiotik (die mich nach einer Krankheit heilte), Verzicht auf Kuh-Milchprodukte, wieder Fleisch essend, mit der Geburt der Kinder nach und nach die komplette Umstellung auf Bio, wenn möglich Bioland oder Demeter. Über die Jahre zeigten sich einige Unverträglichkeiten, weshalb ich seit mehr als 20 Jahren ganz auf Weizen und Kuhmilchprodukte verzichte und seit ein paar Jahren außerdem (so weit wie möglich) auf stark histaminhaltige Lebensmittel. Die stärkste Umstellung war durch das histaminarme Kochen gefragt. Aber da ich schon vorher etliche Male meine Essensgewohnheiten geändert hatte, fiel es mir doch relativ leicht, weiterhin leckerst zu kochen. Nun soll dieser Blogbeitrag kein Dogma für irgendetwas sein. Vielmehr ist es mein Wunsch, die Einstellung zu vermitteln, dass der freiwillige (oder wegen Unverträglichkeiten/Allergien) Verzicht von Lebensmitteln immer noch leckeres, abwechslungsreiches und oft sogar gesünderes Kochen und Essen möglich machen. Meine Voraussetzung zum lustvoll und gesund Kochen sind möglichst lebendige und naturbelassene Lebensmittel.

Unverträglichkeiten erkennen

Meine Unverträglichkeiten zu kennen, hat meine Lebensqualität erheblich verbessert! Speziell die Auswirkung auf den psychischen Allgemeinzustand sind enorm. Wenn Menschen wegen Stress oder Depression zu mir in die Beratung kommen, empfehle ich immer, Unverträglichkeiten und Mängel an Vitaminen und Mineralien testen zu lassen, sowie unbedingt die Schilddrüse zu untersuchen. Wenn Menschen, die mich nicht gut kennen, fragen: Darfst du das essen? Antworte ich : Ich darf, will aber nicht alles essen. Einmal lud mich eine indische Familie zu einem Menü ein. Auf die Familie und das Essen hatte ich große Lust. Sie fragten mich, was ich nicht esse und ich sagte: Weizen und Kuhmilchprodukte. Denn diese beiden haben zu große Folgen auf meinen Allgemeinnzustand, als dass ich sie freiwillig zu mir nehme. Histaminunverträglichkeit erwähnte ich nicht, denn gerade die indische Küche hat viel Nahrungsmittel mit Histamin: Kurkuma, eines meiner Lieblingsgewürze und fast überall in der indischen Küche vertreten, vertrage ich gar nicht. Doch für dieses Mal die Folgen in Kauf nehmend, und es gab ein phantastisches Menü, sogar mit gar nicht indischem Schokokuchen als Dessert (Schokolade vertrage ich so wenig wie Kurkuma). Das Beispiel soll nur zeigen: ich darf alles essen und diese Haltung hat es mir möglich gemacht, nicht unter dem zu leiden, was nicht gut geht, sondern immer nach neuen Alternativen zu suchen. Nach dem Abend mit der indischen Familie hatte ich Bauch – und Kopfschmerzen und würde es mit ihnen trotzdem immer wieder mal tun!

Von sogenannten „Ersatzprodukten“

Ich koche selten mit Ersatzprodukten. Tue ich es doch, empfinde ich sie gerade nicht als Ersatz, sondern als eigenständige vollwertige Produkte! Dazu gehören zum Beispiel Reismilch, Hafermilch, Hafercuisine. Die schmecken von den verschiedenen Herstellern sehr unterschiedlich und es lohnt sich, hier etwas Geduld und Zeit zu investieren, um die Marke zu finden, die am besten zu einem passt.

Rezepte für schnelles und flexibles Essen

In meinem Leben gibt so viel anderes zu tun, aber ich esse auch gerne lecker. Deswegen bin ich dafür bekannt, enorm schnell und flexibel, dabei sehr leckeres und gesundes Essen zu kochen. Genutzt werden dafür hochwertige Lebensmittel und die Rezepte sind meist  sehr schlicht. Ich mag Gemüse gerne in seinen einzelnen Geschmäckern erkennen, weshalb es relativ groß geschnitten wird. Und so hat man gleich noch mal Zeit gespart in der Zubereitung. Trotz und alle dem ist meine Küche abwechslungsreich, lustvoll und immer wieder entstehen neue Rezepte.

Die Devise meines Lebens ist, mich auf das auszurichten, was möglich ist.

1 Kommentar

  1. Luise

    soeben habe ich deinen Beitrag zum Thema Ernährung gelesen. Wie spannend war er! Vor allem wie du deinen ganzen Weg darstellst und wie die verschiedenen Begegnungen ihren Einfluss bei deiner Kochweise hinterließen. Das Thema Ernährung beschäftigt mich sehr. Ich lese sehr gerne darüber und probiere beim Kochen und Backen vieles aus. Zur Zeit bin ich vor allem vom “clean eating” und auch von veganen Rezepten sehr angetan.
    Ich selbst habe vor sechs Jahren aufgehört, Milchprodukte zu essen. So habe ich meine Erwachsenenakne kuriert (kein Hautarzt hatte je die Verbindung zwischen Ernährung und Akne erwähnt…Nur durch Recherchen fand ich es heraus). Jetzt esse ich wieder Sahne und Käse, weil ich mich vegetarisch ernähren möchte und viele vegetarische Rezepte eben diese Produkte enthalten…Aber mir tut es nicht so gut. Ich werde also definitiv die Hafersahne probieren 😊

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