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Teil 2 – Selbstgefertigte Masken aus Stoff: von Hand nähen

Eine ausführliche Liste mit Anleitungen zum Nähen von Masken kannst du hier finden: >Klick Aber wie ist das, wenn man keine Nähmaschine hat und eine Maske von Hand nähen will – und sich nicht gut mit Nähen auskennt? Dafür ist diese Anleitung!

Allgemeiner Hinweis zu selbstgefertigten Mundbedeckungen:
Bei den folgenden Anleitungen handelt es sich um selbstgefertigte Mundbedeckungen, nicht um medizinische Atemschutzmasken. Das Tragen einer Mundbedeckung schützt nicht vor Infektionen über die Atemwege. Es kann allenfalls das Risiko einer Erregerübertragung auf andere reduziert werden. Eine Gewähr hierfür gibt es aber nicht. Allgemein empfohlen wird das enganliegende Tragen und das regelmäßige Auswechseln bei Durchfeuchtung.
Weiterführende Betrachtung der rechtlichen Situation:
it-recht-kanzlei.de/corona-mundschutz-selbstgemacht-problem-loesung-faq.html
it-recht-kanzlei.de/mundbedeckung-corona-virus-haftung-ausschluss.html


In diesem Artikel findest du folgende Inhalte:
1) Persönliche Erfahrungen einer Kundin
2) Notizen zu geeigneten Stoffen
3) Anleitung zum schnellen Nähen einer Maske – Taschentuch Version
4) Ausührliche Anleitung zum Nähen einer Maske von Hand (für Menschen, die keine oder nur wenig Erfahrung im Nähen haben!)
5) Abschließende Gedanken und Ideen zum Nähen von Hand


1. Erfahrungen einer Kundin mit Stoffmasken

“Hallo liebes Kulmine Team, ich bin absoluter Fan eurer tollen Einlagen. Ihr hattet mir zu meiner Lieferung damals auch ein Stück Molton gelegt, dass ich jetzt wunderbar in meine selbst genähte Maske (wahrscheinlich eher Spuckmaske) einlegen konnte. Das funktioniert sehr gut wie ich finde, da es direkt vor Mund und Nase nochmal extra dicht ist und zusätzlich lässt es sich hygienisch waschen. Deshalb die Frage, wäre es denkbar, dass ihr in diesen schweren Zeiten auch Masken anbietet? Ich würde mich freuen von euch zu hören. Liebe Grüße, Carolin”

Carolin schickte uns Bilder von ihrer Maske:


2) Notizen zu geeigneten Stoffen für Masken

Die folgenden Angaben beziehen sich auf diesen Artikel: >Klick
In ihm werden auch Studien zitiert. Während die medizinischen Masken ohne Zweifel am effektivsten wirken, haben z.B. auch Geschirrtücher aus Baumwolle überraschend gut abgeschnitten. Selbst T-Shirts aus Baumwolle eignen sich gut. Wenig geeignet sind Leinen und Seide.
Unabhängig von der Wahl des Stoffes sind zwei Lagen sinnvoll. Manche Anleitungen bieten außerdem die Option in Taschen zusätzliche Stoffe einzulegen.

Wer für den eigenen Bedarf näht und dafür gerne Kulmine Stoffe nutzen möchte, kann z.B. ein großes Vielzweck Haushaltstuch im Shop bestellen. Es besteht aus zwei Lagen mit dünnem aber dichtem Flanell. Je nach Schnittmuster kann man damit mindestens zwei Masken nähen. Auch der Stofftaschentuchstoff ist geeignet.

Stiche, die du für die Masken brauchst:
>Heftstich (der erste Stich in dem Video ist ein Heftstich)
>Steppstich (wird auch Rückstich genannt)
>Schlingenstich (wird auch Festonstich und wohl auch Knopflochstich genannt – besseres Video, aber auf Englisch: >Klick)

3) Anleitung zum schnellen Nähen einer Maske – Taschentuch Version

Danke an Nicoleta für diese Anleitung! Sie hat außerdem hier einen Gastbeitrag zu Toilettentüchlein geschrieben, der bald erscheinen wird.

Guten Morgen,
gestern Abend habe ich zwei Bedeckungen für Mund und Nase aus Stoff-Tachentüchern von euch einfach von Hand genäht. Sie sind 2-lagig und offen, so ist bei Bedarf genug Platz für eine weitere Einlage. Anbei noch Bilder davon, falls jemand eine schnelle Lösung braucht.
Liebe Grüße und Gedanken an Euch” 


Nach einer (berührten und begeisterten) Antwort von uns schrieb sie eine bebilderte Anleitung und “Ich danke euch, dass ihr die Anleitung veröffentlicht. So erreicht sie noch mehrere Menschen, als wenn nur ich das machen würde. Ich werde es natürlich auch gerne teilen. Als ich die Stofftaschentücher für meinen Sohn gekauft habe, hätte mir keine Sekunde vorstellen können, dass ich daraus eines Tages so was wichtiges machen werde.”

Anleitung:

Schritt 1: Taschentuch in der Größe Midi einmal falten.


Schritt 2: Seitlich mit einem dickeren Faden einen einfachen Heftstich nähen. Zusammen ziehen, so dass Falten entstehen.

Schritt 3: Elastisches Band seitlich dran nähen, z.B. mit einem Steppstich.

Fertig sieht die Maske so aus:

4) Ausführliche Anleitung zum Nähen einer Maske von Hand von Nina

Bevor ich die hier vorgestellte Maske nähte, habe ich nur kleinere Ausbesserungen an meinen Kleidern gemacht. Ich bin also keine professionelle Näherin und teilweise fehlen mir die “offiziellen” Begriffe für Vorgänge, die ich hier beschreibe. Ich freue mich über Verbesserungen/Ergänzungen in den Kommentaren!
Die Stiche, die genutzt werden, sind nicht schwierig, aber wenn du keine Erfahrung mit ihnen hast, lohnt es sich, vor dem Start die oben verlinkten Anleitungen anzugucken, oder hier >durchzulesen und einen kleinen Test auf einem Stoffrest zu machen.

Material, das du für die Maske brauchst:
– Scharfe Schere
– Weichen Bleistift oder Schneiderkreide (bei dunklem Stoff)
– etwa vier Stecknadeln
– Nähgarn (am besten in einer ähnlichen Farbe wie dein Stoff)
– Nadel (möglichst dünn, damit keine größeren Löcher in den Stoff kommen)
vorgewaschener Stoff (z.B. ein altes T-Shirt, ein Haushaltstuch von Kulmine, oder auch Taschentücher von Kulmine)
– Optional ist ein Fingerhut nett und schützt deinen Finger vor Druckstellen.
– Das Schnittmuster: (Die Links sind von der Firma >Lebenskleidung.)
Das Schnittmuster findet ihr hier: >Klick
Die verschiedenen Maßangaben hier: >Klick
Die Nähanleitung auf Deutsch gibt es hier: >Klick

Schritt 1: Die Papiervorlage erstellen
Wenn du keinen Drucker hast, kannst du das Bild der Vorlage am Bildschirm so einstellen, dass sie möglichst nah an die Din A 4 Größe eines normalen Blattes kommt und dann das Schnittmuster abpausen.
Schneide die Vorlage sorgfältig aus – besonders wichtig ist der Teil für die Nasen. (Das ist die Seite, die einen kleinen Knick hat.)

Schritt 2: Die Vorlage auf Stoff übertragen
Lege die Vorlage auf den Stoff und zeichne den Rand nach. Wenn du hellen Stoff hast, kannst du das mit einem weichen Bleistift machen. Bei dunklerem Stoff brauchst du einen weißen Stift oder Schneiderkreide.
Das machst du vier mal – oder wenn du ein Allzweckstuch von Kulmine benutzt, das schon zwei Lagen hat, dann nur zweimal.

Schritt 3: Das Muster ausschneiden
Wenn du nur für dich oder wenige andere Personen nähst, schneide den Stoff einfach mit der schärfsten Schere des Haushalts aus. (Teste vorher an einer anderen Stelle, ob die Schere ok ist, oder den Stoff ausfranst!) Schneide langsam und sorgfältig, damit die Stoffteile später gut aufeinander passen. Am Ende hast du vier Stoffteile.

Schritt 4: Zwei Teile zusammen nähen
Jeweils zwei dieser Teile werden nun zusammen genäht. Bei der Variante mit dem Kulmine Haushaltstuch ist dir ein bisschen Arbeit schon abgenommen! Denn du kannst den Schnitt so legen, dass ein Teil der Naht schon genäht ist. Zeichne mit Bleistift/Schneiderkreide einen Strich auf den Stoff, der etwa einen cm unter der Stoffkante liegt. Das ist der Strich auf dem du mit dem Steppstich nähen wirst. Es ist nicht schlimm, wenn er ein bisschen wackelig aussieht – das wird man später nicht merken, solange es nicht ZU große Kurven gibt. Je kleiner du die Stiche machst, desto besser halten die Stoffe später zusammen.

Schritt 5: Steppstich und Knopflochstich
Nähe entlang deiner eingezeichneten Linie im Steppstich und versuche, möglichst kleine und gerade Stiche zu machen. Anschließend versäumst du den direkten Stoffrand mit dem Schlingenstich. Du brauchst dafür keinen neuen Faden zu nehmen, wenn deiner noch lang genug ist. Mit einem kleinen Zwischenstich landest du oben am Rand. Jeweils an den Enden solltest du den Faden durch ein paar zusätzliche Stiche fixieren. Das wird auch in den verlinkten Videos erklärt. (Ich mache im Anschluss noch einen Knoten. Mehr dazu weiter unten.)

Schritt 6: Aufklappen und aufeinander legen
Nun kommt ein Schritt, der mir in der ursprünglichen Anleitung (sicher nur durch meine fehlende Übung) sehr unklar war. Die beiden Hälften müssen nun aufgefaltet und übereinander gelegt werden. Dabei ist wichtig, dass die Nähte außen sind – denn später werden diese Nähte nach innen gedreht!
Wichtig ist, dass du jeweils die gleichen Seiten aufeinander legst – die Nasenseite sieht man weiter gut durch den Knick.

Die aufgeklappten und übereinander gelegten Stofflagen.

Schritt 7: Weiter geht es im Steppstich!
Wenn du unsicher bist, ob die Stofflagen ordentlich übereinander bleiben, kannst du nun entweder mit Stecknadeln oder aber mit einem groben und losen Heftstich die beiden Stofflagen miteinander fixieren. Weil ich für sowas keine Geduld habe und der Kulmine Stoff außerdem gut auf einander haftet, habe ich einfach so losgelegt.
Genäht wird wieder etwa einen cm unter dem Stoffrand und wieder wird der Steppstich benutzt. Anschließend umsäumt man den Rand wieder mit dem Knopflochstich. Am Rand etwa zwei oder drei cm vorher aufhören – dieser Platz wird später zum Umklappen und Einnähen der Halterung gebraucht.

Schritt 8: Die Maske wird umgedreht…
… und sieht nun ziemlich schnell wie eine Maske aus! Zu einer Seite lässt sie sich (bei mir?) besser und hübscher ausdrehen und sieht dann so aus:

Schritt 9: Dreh die Seiten so weit ein, dass die Stoffkante hübsch aussieht und fixiere sie mit einer Stecknadel, damit alles auch so bleibt, wie es soll. Insgesamt machst du das vier mal.

Schritt 10: Heftstich
Da die von mir benutzte Anleitung für die Nähmaschine war, habe ich für die verschiedenen Schritte einfach die Stiche genommen, die mir logisch erschienen. Für diesen habe ich den Heftstich genommen, weil mir der Stoff zu dick für einen Steppstich war. Außerdem sieht es hübsch aus.
Ich habe für die Halterungen einen Gummi genutzt und diesen VOR dem Einnähen verknotet. So muss ich ihn nicht mit dem Stoff vernähen, sondern er ist wie in einem Tunnel in der Maske. So kann ich ihn außerdem einfach durchschneiden und durch eine andere Lösung ergänzen. (Was ich machen werde, weil mir das Gummi wehtut.) Je größer der Tunnel ist, desto einfacher kann man das Gummi oder das Bändel durchfädeln.

Wer ein bischen aufmerksamer näht als ich, macht die Knoten, bzw. die Enden der Fäden auf die Innenseite. Ich habe diese Maske nachts um 2 Uhr genäht und war nicht aufmerksam. Ich habe auch keinen guten Knoten gemacht. Dieser ging wieder auf. (Die anderen haben auch eine 60° Wäsche überstanden.) Auch hier solltest du die Enden etwas vernähen, damit sie beim Waschen nicht aufgehen.

Das vollendete Werk!

Befestigung: Gummis, die hinter den Ohren befestigt werden, sind schnell aufgesetzt, aber können genauso schnell unangenehm werden, vor allem, wenn die Masken länger getragen werden.
Unterhosengummis halten auch eine heiße Wäsche aus. Leider sind Gummis momentan an vielen Stellen ausverkauft.
Bändel sind eine gute Alternative für den eigenen Gebrauch, in größeren Einrichtungen führen die Bändel zu Knoten und zusätzlicher Arbeit.
Für den privaten Gebrauch nutze ich mittlerweile einen langen Schnüsenkel. Das ist angenehmer an den Ohren und lässt sich schnell binden. (Ein Foto folgt noch.)
Diese Maske ist bequem, an der Nase dicht und lässt trotzdem Raum für den Mund – und (offensichtlich am wichtigsten) sie sieht schick aus. 😉
So sieht die Maske aus, wenn man sie in frühlinghaftem (eiskalten) Nieselwetter trägt.


5) Abschließende Gedanken und Ideen zum Nähen von Hand
Wer andere Anleitungen zum Handnähen umwandeln will: Der Steppstich ist immer dann gut geeignet, wenn man zwei Stofflagen fest miteinander verbinden will. Der Schlingenstich ist geeignet, um Stoffkanten zu vernähen – dann fransen sie beim Waschen nicht aus.

Es gibt einige “Regeln” des Nähens, die ich nicht angewendet habe. So wird z.B. empfohlen, Sachen, die man zusammen häht, mit einem Heftstich ganz grob zusammen zu nähen. Weil die Maske so klein ist, konnte ich die Stoffteile durch sorgfältiges Übereinanderlegen aber trotzdem sehr gut zusammen nähen. Wer sich hier unsicher fühlt, kann aber definitiv lose mit Heftstich vornähen!

Eine andere Empfehlung, die gegeben wird, ist, keine Knoten mit den Endfäden zu machen. Nachdem ich in einem Youtubevideo gesehen habe, dass die Knoten früher gar nicht so verpöhnt waren und das mehr eine Nähmode ist, mache ich nun sehr gerne Knoten – die sehen nicht ganz so hübsch aus, sind aber schnell gemacht und halten mit Doppelknoten auch gut. Trotzdem sollte man vor dem Knoten ein bisschen “hin und her” nähen (vernähen).

Ich habe außerdem jeweils einen schön langen Faden genommen, damit ich nicht zwischendrin neu starten muss. (Und habe dabei den Spruch meiner Oma im Kopf gehabt, die sagte: Langes Fädchen faules Mädchen – worauf ich ihr als Kind antwortete: Langes Fädchen kluges Mädchen! 🙂

An der hier verwendeten Version gefällt mir außerdem, dass man kein Bügeleisen braucht und auch sonst wenig zusätzliches Material wie ein Lineal oder ein Metallstreifen benötigt wird.


Wer zusätzliche Masken nähen mag, findet bei Schnittenliebe eine Liste von Einrichtungen, die Masken brauchen. Der Shop bietet auch ein kostenloses schnelles Nähmuster. Bitte achte darauf für Einrichtungen (wenn möglich/erhältlich) Gummibänder zu verwenden, damit keine zusätzliche Arbeit beim Entwirren der verknoteten Bänder entsteht.

2 Kommentare

  1. Avatar

    Hallo,

    ich bin Lehrerin und würde die Fotos gerne verwenden, um eine einfache Anleitung für meine SChüler zu erstellen. Würdest du mir dafür die Genehmigung zum Kopieren geben?
    Vielen Dank für diese tolle einfache Lösung für das Handnähen. Die Antwort bitte gerne auch direkt an meine E-Mail. Danke.
    Viele Grüße,
    Christine

    Antworten

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