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Was bedeutet Trans und was hat es mit Menstruation zu tun?

Trans wird immer häufiger als eigenständiges Wort genutzt, früher wurde auch oft „Transsexuell” verwendet. Das gilt heute als überholt, denn es geht dabei nicht um Sexualität. Genutzt wird auch der Begriff „Transgender”. Doch was bedeutet Trans(gender) überhaupt?

Im Deutschen benutzen wir den Begriff „Geschlecht“, um die körperlichen Geschlechtsmerkmale einer Person und auch ein Stück ihrer Identität und ihrer sozialen Rolle zu beschreiben. Im Englischen wird hingegen unterschieden zwischen dem sogenannten „biologischen“ Geschlecht (Englisch = sex) und dem „sozialen“ Geschlecht, das gender genannt wird.

Das Wort Gender hat für die deutsche Sprache eine wichtige Lücke gefüllt – z. B. sprechen wir vom „Gendern“, wenn wir in der Schriftsprache alle Geschlechter mit einbeziehen.

Grundannahmen zu Geschlecht

In unserer Gesellschaft gelten einige wichtige Grundannahmen zu Geschlecht, zwei davon sind besonders wichtig:

  1. Die allermeisten von uns gehen davon aus, dass es genau zwei Geschlechter gibt, nämlich das weibliche und das männliche. Mann und Frau, das sind zwei Pole, die sich gegenüberstehen. 
  2. Außerdem nehmen wir in der Regel an, dass wir anhand von körperlichen Merkmalen ablesen können, welchem dieser beiden (einzigen) Geschlechter eine Person angehört. Einem Baby schauen wir nach der Geburt zwischen die Beine, und dann sagen wir: „Oh nein, was mache ich denn jetzt mit den ganzen rosa Stramplern?!“

Aber stimmen diese Grundannahmen? Wer sich genauer mit Geschlecht beschäftigt, wird entdecken, dass die Realität anders aussieht.

Intergeschlechtlichkeit

Transgender sollte nicht mit Intersexualität verwechselt werden, obwohl es Überschneidungen geben kann. Auch Intersexualität hat nichts mit Sex zu tun – deswegen wird heute der passendere Begriff Intergeschlechtlichkeit verwendet. Diese Bezeichnung wird genutzt, um zu beschreiben, dass manche Menschen mit „uneindeutigen” Geschlechtsorganen geboren werden. Noch immer wird dem Kind dann in der Regel einfach ein Geschlecht zugeordnet – in der Regel das weibliche, weil Vulva und Vagina (angeblich) leichter zu bilden sind als Penis und Hoden. Mittlerweile gibt es für Eltern die Möglichkeit, auf diese erzwungene Zuordnung zu verzichten. Trotzdem werden immer noch geschlechtsangleichende Operationen durchgeführt. Mehr Informationen: tagesspiegel.de

Was bedeutet Transgender?

Um das zu verstehen, ist es hilfreich, sich von der Idee zu lösen, dass es bei Transgender um Menschen geht, die ihr Geschlecht „wechseln” wollen. Dazu hilft das folgende Gedankenexperiment: Stell dir vor, dass an deinem Körper auf einmal Merkmale des „anderen“  Geschlechts auftauchen und du zum Beispiel statt einer Vulvina auf einmal einen Penis hast, oder umgekehrt. Was passiert, wenn diese Veränderungen dazu führen, dass Menschen dich als das „andere“ Geschlecht ansprechen? Und wie fühlst du dich bei einem Blick in den Spiegel, wenn das äußere Bild nicht deinem inneren Gefühl entspricht?

„Trans” ist letztlich ein Begriff für genau diesen Zustand: Bei der Geburt wird ein Geschlecht auf Basis der sichtbaren Merkmale angenommen, doch die aufwachsende Person erlebt dieses als nicht passend. Was als das eigene Geschlecht empfunden wird, kann vielfältig sein und geht über die binären Kategorien von „Mann” und „Frau” hinaus. Es kann auch sein, dass man sich gar keinem Geschlecht zugehörig fühlt – dafür wird (unter anderem) die Bezeichnung non-binär verwendet. Die Vielfalt der Bezeichnungen ist bunt und die Grenzen sind fließend. 

Die Reihe Trans und Menstruation bei Kulmine

Diese Vielfalt zeigt sich auch in den Texten dieser Reihe. Zwar gibt es in vielen Fällen gemeinsame Erfahrungen, aus denen sich dann bestimmte Begriffe etabliert haben, um sie benennen zu können, andere Erfahrungen bleiben aber so individuell, wie wir Menschen es eben sind. 

Wir haben Menschen dazu eingeladen, diese Texte aus ihrer eigenen Erfahrung heraus zu schreiben, weil uns wichtig ist, dass nicht wir über ein Thema schreiben, für das wir keine Expertinnen sind. 

Glossar

Im Folgenden gibt es kurze Erklärungen zu grundlegenden Begriffe, die in den folgenden Artikeln verwendet werden – manche der Begriffe werden unterschiedlich genutzt, oder kommen aus dem Englischen und klingen für deutsche Ohren etwas fremd. Falls eine Definition unvollständig oder fehlerhaft sein sollte, freuen wir uns über einen Hinweis in den Kommentaren! 

Cisgender:
Das Gegenteil von Transgender. Von Cisgender oder kurz Cis spricht man dann, wenn das eigene empfundene Geschlecht mit dem bei der Geburt zugeordnete Geschlecht übereinstimmt.

Genderdysphorie / Dysphorie:
Beschreibt ein Gefühl von Unwohlsein, das entstehen kann, wenn das zugeordnete Geschlecht als falsch empfunden wird. Es kann auch entstehen, wenn die eigenen Vorstellungen von Geschlecht nicht zu Aussehen, Verhalten und Sein passen. Diese Unzufriedenheit kann ihren Ursprung auch in Erwartungen der Gesellschaft in Bezug auf Geschlecht haben. Viele Transpersonen und manche nicht-binäre Personen ergreifen Maßnahmen wie Hormontherapien und / oder Operationen, um ihre Körper der eigenen Identität anzupassen. 

Transition
Bezeichnet den Prozess, in dem eine Transperson Änderungen vornimmt, um die Geschlechtsidentität auszudrücken. Dazu können Namens- und Personenstandsänderungen und auch Hormontherapien oder Operationen gehören. Das Nomen Transition wurde aus dem Englischen übernommen. Entsprechend wird das Verb „transitionieren” genutzt, um den Vorgang der Änderungen zu bezeichnen, die über einen längeren Zeitraum stattfinden können.

Nicht-binär
Drückt aus, dass sich eine Person keinem Geschlecht oder mehreren Geschlechtern zugehörig fühlt.

Gender-divers
Seit 2019 gibt es in Deutschland die Möglichkeit, die Geschlechtsbezeichnung „divers“ in den Pass eintragen zu lassen. Divers ist ein Sammelbegriff und bezeichnet nicht ein eigenes Geschlecht.

Heteronormativität
Heteronormativität bezeichnet den Zustand einer Gesellschaft, die von heterosexuellen cisgender Personen als „normal” ausgeht und abweichende Gender-Identitäten als „anormal” und potentiell problematisch empfindet. 


Gibt es andere Begriffe, die du bei diesem Thema wichtig findest? Schreib uns gerne einen Kommentar und wir erweitern das Glossar! Oder möchtest du einen Text für die Reihe beitragen? Schreib uns gerne an!

Dieser Artikel wurde mit Hilfe des Queer-Lexikons geschrieben. Wir sind dankbar für die wertvolle Arbeit des Queer-Teams: queer-lexikon.net

2 Kommentare

  1. Kathi

    Besonders der Bereich Menstruation ist immer noch ein großes Problem im Hinblick auf Trans-Inklusivität. Dieser Blogartikel ist ein Schritt in die richtige Richtung. Danke dafür! Ich wünsche mir schon lange inklusive Sprache und inklusives Marketing im Hinblick auf Menstruation überall, im Drogeriemarkt, im Internet etc. ❤️

    Antworten

    • Petra Sood

      Liebe Kathi,
      es folgen in der nächsten Zeit einige Artikel von Menschen die sich aus eigener Erfahrung mit Trans-Inklusivität auskennen.
      Es war uns wichtig, dass nicht wir über etwas schreiben mit dem wir uns nur theoretisch beschäftigt haben.
      Der Kulmineblog soll sich weiterhin durch Erfahrungswissen auszeichnen.
      Liebe Grüße!

      Antworten

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